Weisses Kreuz auf rotem Grund

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1. August 2017Nein, an der Bundesfeier 2017 wurde nicht die neue Nationalhymne der Schweiz gesungen. Beziehungsweise der Text, den eine Gruppe Reformwilliger gerne als neue Nationalhymne sähe. Die trotz grosser Hitze erfreulich zahlreich erschienenen Anwesenden blieben bei «Trittst im Morgenrot daher» – und sie bewiesen in musikalischer Hinsicht eine in den vergangenen Jahren kaum je dagewesene Zielgenauigkeit. Ob dies daran lag, dass der Schützenverein die Feier organisiert hatte? Das «weisse Kreuz auf rotem Grund» war jedoch zentrales Thema der Ansprache von Dr. Raphaël Rohner. Nun gibt es ja Scherzkekse, die sagen, man müsse einfach Souveränität, Föderalismus, Demokratie und Eigenverantwortung erwähnen und einige salbungsvolle Worte als Dekoration beifügen und fertig sei eine 1. August-Rede. Und tatsächlich verband Stadtrat Rohner die Schenkel des Kreuzes mit diesen vier für das Selbstverständnis der Schweiz zentralen Begriffen. Er deutete die Schenkel zudem als Symbol für ein Land mit vier Sprachen und Kulturen und unterstrich gerade auf diesem Hintergrund die Wichtigkeit, nach Einheit in der Vielfalt zu streben. Daneben sagte er aber auch noch andere Dinge, die ihren Weg nicht in die offizielle Berichterstattung der Schaffhauser Medien schafften. Er erinnerte beispielsweise daran, dass die Schweizer Fahne einen hohen emotionalen Wert hätte (man denke nur an den Sport!) und dass sie identitätsstiftend wäre (was derjenige besonders spürt, der irgendwo fern der Heimat eine Schweizer Fahne sieht). Man dürfe durchaus stolz sein auf die Schweiz – solange man Stolz nicht mit Überheblichkeit verwechsle und das Gefühl hätte, besser als andere zu sein. Aber er fügte ernst hinzu: «Es ist sehr vieles selbstverständlich geworden…» Es war eine Einladung, das Gute, das es in der Schweiz gibt, bewusst und dankbar anzunehmen – und selber etwas dazu beizutragen, sich aktiv einzubringen, sich öffentlich zu engagieren, damit auch in Zukunft Gutes geschehen und Kreise ziehen kann. Stadtrat Rohner verschwieg aber nicht, was das Schweizerkreuz eben auch ist: ein Hinweis auf die christlich-abendländische Prägung unseres Landes. Eine Prägung, die auch darin Ausdruck fand, dass die Schweiz in der Vergangenheit immer wieder ihre guten Dienste anbot: Vermittlung zwischen Konfliktparteien und humanitäre Hilfe beispielsweise. Es sei wichtig, sich nicht abzuschotten, sondern diese Tradition weiterzuführen – in der Gegenwart und in der Zukunft. Die am Abend des 1. August in den Himmel steigenden Feuerwerke münden oft in ein besonders farbenfrohes und lautes Schlussbouquet. Stadtrat Rohner hingegen wählte einen eher besinnlichen Gedanken für das Ende seiner Rede. Im interkantonalen Schriftverkehr früherer Zeiten erscheine immer wieder die Formulierung «Wir empfehlen euch und uns dem Machtschutz Gottes.» Manchmal fände diese sogar in der Gegenwart noch Verwendung. Und wenn diese Worte für unsere Ohren vielleicht auch etwas «verstaubt» tönten – es lohne sich, über ihre Bedeutung nachzudenken. Vielleicht war das auch eine Einladung, sich nicht nur aktiv für das Gemeinwohl zu engagieren, sondern eben auch Vertrauen zu wagen, wo wir nicht alles in der eigenen Hand haben. 

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